Kariobangi

Schulspeisung in Kariobangi

(von Frau und Herrn Dr. Herzog)

Nairobi, die Hauptstadt von Kenia, ist eine moderne Großstadt mit lebhaften Autoverkehr und gut gekleideten Menschen, mit Banken, Geschäften und Verwaltungsgebäuden mit Kirchen, Tempeln und Moscheen. Am Stadtrand sieht es ganz anders aus. Dort gibt es etwa 23 informelle Wohngebiete, auch Slums genannt. In diesen Vorstädten wohnen Kenianer, die auf dem Land nicht mehr leben konnten oder Flüchtlinge, die vom Hunger und Krieg aus Somalia oder dem Sudan vertrieben wurden. Der Glanz der Hauptstadt und das Gerücht über Einkommens- und Arbeitsmöglichkeiten hat sie angelockt.Die meisten sind froh, ein Dach aus Wellblech, Pappe oder Plastik über dem Kopf gefunden zu haben, auch wenn sie dafür Miete zahlen müssen.

Das bevölkerungsreichste dieser Wohngebiete ist Kariobangi mit etwa 300 000 Einwohnern. Im bunten Gewirr der Straßen fallen die Kinder ins Auge, die teils fröhlich wirken, teils aber auch bedrückt, vielleicht, weil beide Eltern an Aids gestorben sind oder weil sie hungrig oder krank sind. Manche können das Elend nur mit der Betäubung durch Schnüffeln an der Leim- oder Benzinflasche ertragen. Wenn das Leben in Slumhütten und zerrütteten Familien unerträglich wird, landen Jungen und Mädchen auf der Straße, wo die ersehnte Ungebundenheit sehr schnell in Verwahrlosung, Drogenabhängigkeit und gnadenlose Überlebenskämpfe mündet.

Viele Menschen in Kenia, in Europa oder Amerika wollen diesen Kindern helfen. Häufig kommen Organisationen nach Kariobangi, um mit Geld, großen Programmen und Unterstützung der Medien den Kindern zu einem besseren Leben zu verhelfen. Aber die meisten dieser Projekte werden nach kurzer Zeit aufgegeben, weil die Verhältnisse vor Ort nicht oder zu wenig berücksichtigt wurden. Anschließend sind die Kinder und Jugendlichen um eine Hoffnung ärmer.

Die katholische Gemeinde in Kariobangi unter Leitung der Comboni-Missionare geht einen anderen Weg. Sie stützt ihre langjährige kontinuierliche Förderung der Jugendlichen zum Beispiel
  • auf kleine christliche Nachbarschaftsgruppen, in denen auch Aidswaisen aufgefangen werden,
  • auf die Zusammenarbeit mit den staatlichen Schulen, in denen sie für die einzige tägliche Mahlzeit der Schulkinder (zur Zeit etwa 10 000) sorgt.
  • auf eigene informelle Schulen, in denen Straßenkinder auf den Besuch staatlicher Schulen vorbereitet werden.

Der Kariobangi-Arbeitskreis in Köln setzt sich in einem Partnerschaftsprojekt seit 26 Jahren für Schulkinder und Straßenkinder in Kariobangi ein. Darüber hinaus engagieren sich vier Schulen für die Schulspeisung in Kariobangi: das Maximilian-Kolbe-Gymnasium in Köln-Porz, die Peter-Ustinov-Realschule in Köln-Nippes, das Albertus-Magnus-Gymnasium in Bensberg, und die Anne-Frank-Realschule in Unna.

Auch wenn die tägliche Mahlzeit für ein Kind nur etwa 15 Cent kostet, könnten Spenden allein die Kosten nicht decken; hier hilft das Welternährungsprogramm der UN. Aber ohne ergänzende Spenden für Organisation und Infrastruktur (Kochpersonal, Kücheneinrichtung, Verteilung der Speisen usw.) kann die katholische Gemeinde die Schulspeisung nicht aufrecht erhalten. Die Kinder von Kariobangi sind daher weiter auf offene Herzen und Hände hier bei uns angewiesen.

Entstehung des Projektes der Schulspeisung in Kariobangi (Slumgebiet von Nairobi/Kenia)

1987 Erstmals lernen die Schüler/Schülerinnen der Peter-Ustinov-Schule (damals RS Neusser Str.) durch einen Diavortrag von Fr. Herzog, der dt. Kontaktperson zu diesem Projekt, das Schulprojekt von Kariobangi im Slumgebiet von Nairobi kennen und werden über die Situation der Slumkinder dort informiert. Diese Veranstaltung findet von nun an in den folgenden Jahren regelmäßig statt. Fr. Bien begleitet als Lehrerin der Schule das Projekt.
1997 In der Vorweihnachtszeit findet die erste Straßensammlung für eine Schulspeisung in Kariobangi durch unsere Schüler/Schülerinnen der Klassen 5+6 statt. Die Schüler/Schülerinnen dieser Jahrgangsstufen werden in den folgenden Jahren fortlaufend zu Beginn der Sammlung von Fr. Herzog über das Projekt informiert. Der Erlös der Straßensammlung geht dem Kariobangi-Projekt direkt durch Familie Herzog in voller Höhe zu – es entstehen keine Abzüge durch Verwaltungskosten.
23.09.2000 Zum 100jährigen Bestehen unserer Schule wird die ganze Schulgemeinde in die Spendensammlung für Kariobangi einbezogen. Die Kariobangi-Hilfe wird zum offiziellen Schulprojekt unter Mitwirkung aller, auch höherer Klassen.
7.11.2002 Besuch der Städt. RS Neusser Str. durch Bruder Hans Eigner aus Afrika, Comboni-Missionar in Kariobangi, der die Schulgemeinde als Leiter dieses Projektes konkret über den Einsatz und die Wirkung der Spenden in Kariobangi informiert. In den folgenden Jahren berichten er und Pater Mario Porto mehrfach „aus erster Hand“ in unserer Schule von der Wirkung unserer Spenden.
2004 Fr. Schäfer übernimmt die Betreuung des Projekts nach der Pensionierung von Fr. Bien.
16.09.2005 Anlässlich der Namensgebungsfeier der Schule („Peter-Ustinov-Schule“) werden die Vertreter der Peter-Ustinov-Stiftung - Herr Dr.Grosche und Frau Wendtland - über das Projekt informiert und die Möglichkeit einer zusätzlichen Förderung des Projekts durch die Stiftung angeregt.
1987 – 2011 Bei vielen Schulveranstaltungen werden Informationen über das Kariobangi-Projekt bereitgestellt und Produkte der Selbsthilfegruppen in Kariobangi (z.B. Schnitzereien, Schmuck, Batiktücher) verkauft. Auch dieser Erlös fließt direkt dem Projekt zu.
1997 – 2011 Durch die Straßensammlungen in der Vorweihnachtszeit und die Verkäufe bei Schulveranstaltungen sind inzwischen rund 30 000 Euro für die Schulspeisung in Kariobangi zusammengekommen und über die Comboni-Missionare nach Kenia transferiert worden. Bei nahezu alljährlichen Besuchen haben sich Frau und Herr Dr. Herzog vor Ort über die Verwendung der Gelder im Sinne der Spender informiert.

Das ursprünglich durch die katholische Kirche initiierte und heute noch getragene Projekt wird bei uns weiterhin durch alle Schüler und Schülerinnen jeder Glaubensrichtung, durch ihre Eltern und die Lehrer/innen der Peter-Ustinov-Schule unterstützt.