Auf der Flucht - Kunstausstellung im Bezirksrathaus Nippes

04.04.2017 bis 27.04.2017

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Blass und versehrt warten die Plastiken von Flüchtenden, die SchülerInnen der Jahrgangsstufen 9 und 10 im Kunstunterricht gestalteten auf ihren Socken in der Rotunde des Rathauses. Die Besucher finden eine ungewöhnliche Kunstausstellung vor. Sockel tonfarbener Übertöpfe tragen übereinander gestapelt die Figuren von Menschen, die im „Überall“ von Raum und Zeit um ihr inneres und äußeres Gleichgewicht ringen.

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Zur Ausstellungseröffnung im Bezirksrathaus Nippes sind zahlreiche Gäste erschienen, die der Bezirksbürgermeister Bernd Schößler begrüßt. Er weist darauf hin, dass bereits zum wiederholten Mal SchülerInnen der Peter-Ustinov-Schule künstlerische Arbeiten aus dem Unterricht in der Rotunde des Bezirksrathauses ausstellen..

Die Schulleiterin Frau Braun vermittelt den Besuchern das pädagogische Engagement der Schule, sich im Unterricht auch mit Problemfeldern außerschulischer Alltagswirklichkeit gleichermaßen reflektierend wie gestaltend auseinanderzusetzen..

In ihrer Einführung verweist die Kunstlehrerin Frau Dr. Bußhoff auf die außergewöhnliche künstlerische Gestaltungsweise der Plastiken in ihrer räumlichen Umgebung von mit bröckelnden Gips ummantelten Booten und abgelegten Kleidungsstücken. Auf der Grundlage zahlreicher Bilddokumente erstellten die KünstlerInnen aus Zeitungspapier, Klebeband und Gips Plastiken, die eindrucksvoll Fliehende darstellen: gehetzte, traumatisierte, verängstigte, einer ungewissen Zukunft entgegenlaufende Menschen. Bereits im Vorfeld der Ausstellungseröffnung betrachteten Besucher bewegt die wunde Brüchigkeit der Plastiken, die ihnen die Verletzbarkeit der Fliehenden, ihr ungeschütztes Dasein anschaulich nahe bringt.

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Eile, Verletzungen, Erschöpfung, Angststarre, Lebensgefahr der Fliehenden signalisieren die KünstlerInnen durch die Körperhaltungen der Plastiken. Die Gesichter bleiben im Gestaltungsmaterial verborgen und finden so Schutz auch vor individueller Bedrohung und Verfolgung. Mit der Gesichtslosigkeit verweisen die KünstlerInnen auf den Verlust an Identität, wenn Menschen ihre Heimat, d.h. ihre Heimat, d.h. ihre vertraute Umgebung mit kulturellen, gesellschaftlichen und familiären Bindungen verlassen müssen.

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Die Boote symbolisieren einen gefahrenvollen Weg aus dem Herkunftsland, zugleich aber auch die Not der Flüchtlinge, die für ein menschenwürdiges Leben außerhalb ihrer Heimat zumeist ein großes Risiko eingehen. Drei große Plastiken aus Maschendraht zeigen fliehende Menschen, wie sie Grenzen überwinden und Gefahren überstehen müssen. Ihre Kleidung zeigt sich infolge bereits zerschlissen und gibt den Blick frei auf das Material der Grenzbefestigungen. In dem Material hingegen sehen die Künstler nicht nur räumliche Grenzen, sondern in übertragener Bedeutung z.B. auch Grenzen der Verständigung in den Ankunftsländern.

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Die unterhalb der Plastiken ausgelegten Kleidungsstücke verweisen auf das ungeschützte Dasein der Flüchtlinge. Da Kleidung nicht nur Schutz gewährt, sondern zugleich auch mit unterschiedlichen Kulturräumen identifiziert wird, machen die Künstler mit dem Ablegen der Kleidung zugleich darauf aufmerksam, dass die Flüchtlinge mit ihrer Heimat auch den ihnen vertrauten Kulturraum aufgeben mussten.

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So unterschiedlich die Herkunftsländer von Flüchtlingen erfahren werden können, so ist vielen Menschen aus verschiedenen Kulturräumen doch die persönliche Hinwendung zu Gott im Gebet gemeinsam. Deshalb haben Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5, 9 und 10 mit Blick auf Verständigung jüdische, christliche und islamische Gebete zusammengestellt, um zu zeigen, wie viel Verbindendes die Gottesvorstellungen der unterschiedlichen Religionen aufweisen.

Dr. M.A. Bußhoff

Bilder von H. Kuklik